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    3.2 Aktuelle Debatten zur Förderung saamischer Sprache


    Nach der Errichtung des Saamen-Parlaments 1989 folgten in den 90er-Jahren mehrere Massnahmen, die dafür sorgen sollen, dass "die saamische Volksgruppe ihre Sprache, Kultur und Gesellschaftsleben sichern und entwickeln kann", wie es ein Zusatz im norwegischen Grundgesetz seit 1988 fordert (Hovland 1996:54-55). Wie wir sehen werden, widerspiegeln diese Debatten die multiethnische Realität Nordnorwegens, die Vielfalt innerhalb der Saamen und die ambivalente Rolle des Staates in der nordnorwegischen Vergangenheit und Gegenwart (siehe meine drei Punkte zu Beginn dieses Kapitels).

    Gesetzliche Grundlagen

    Bevor ich in die Debatten um die Einführung des Saamischen Sprachgesetzes (samisk språklov) einsteige, möchte ich kurz einige in diesem Zusammenhang wichtige Gesetze nennen (nach Hovland 1996:54-56 und Kulturdepartementet 1992).

    • Im "Saamen-Gesetz" (Sameloven) wurde 1990 ein eigenes "Verwaltungsgebiet für saamische Sprache" definiert. In diesem Gebiet sollen besondere Regeln gelten für den Gebrauch saamischer Sprache in der öffentlichen Verwaltung. Nach Beschluss von 1990 umfasst dieses Gebiet die Gemeinden Karasjok, Kautokeino, Nesseby, Tana, Porsanger und Kåfjord.


    • Am 18. Mai 1990 beschloss das Parlament das Ortsnamengesetz (Stadnamnlova). Von nun an sollen saamische (oder finnische) Namen anstatt der norwegischen benutzt werden, wenn die Einheimischen es ohnehin tun. Wenn sowohl saamische als auch norwegische Namen für einen Ort benutzt werden, soll der saamische Name an die erste Stelle gesetzt werden (z.B. Gaivuotna/Kåfjord). Das Gesetz betrifft alle öffentlichen Organe (Behörden, Schulen, Krankenhäuser) und gilt auch für die Beschilderung öffentlicher Wege.


    • Am 21. Dezember 1990 beschloss das Parlament die Sprachregeln des Saamengesetzes (Samelovens språkregler): Saamisch und Norwegisch sind nun offiziell gleich berechtigte Sprachen in Norwegen. Wer innerhalb des Verwaltungsgebietes für saamische Sprache zur Polizei, ins Finanzamt oder vor Gericht geht, soll die Möglichkeit haben, sein Anliegen auf Saamisch vortragen und eine Antwort auf Saamisch zu bekommen. Auch Patienten in einem öffentlichen Krankenhaus sollen erwarten dürfen, dass man sie auf Saamisch versteht. Angestellte der Gemeinde, die Saamisch für ihren Beruf beherrschen müssen, sollen bezahlte Freistellung von ihrer Arbeit bekommen, um die Sprache zu erlernen. Die Finanzierung soll vom Staat gedeckt werden (Hovland 1996:54-56).


    • Gleichzeitig sind Änderungen im Primarschulgesetz (Grunnskoleloven) vorgenommen worden. Unter anderem haben alle Primarschülerinnen und Primarschüler in diesen Gemeinden Recht auf Unterricht in Saamisch. Der Gemeinderat kann veranlassen, dass Saamisch für alle Schüler der Gemeinde - ob nun Saamen oder Norweger - von der ersten bis zur neunten Klasse obligatorisch ist.


    Die Einführung des saamischen Sprachgesetzes

    Ich werde im folgenden die Einführung und Umsetzung des saamischen Sprachgesetzes am Beispiel der Gemeinde Kåfjord schildern. Ich werde besonders die Studie von Arild Hovland (1996) zitieren. Ergänzen werde ich seine Daten mit Leserbriefen aus der Zeitung Nordlys.

    Kåfjord ist eine der sechs Gemeinden, in denen das neue Sprachgesetz gilt. Sie liegt zwischen Tromsø und Alta in einem traditionell von Meersaamen besiedelten Gebiet. Die Gemeinde Kåfjord ist auch Zentrum des "Tre stammers møte", des Aufeinandertreffens dreier "Stämme": der Norweger, Saamen und Kvenen.

    Eifrige Umsetzung

    Gleich nach der Einführung des Sprachgesetzes begann die Gemeinde, ihre Angestellten in der saamischen Sprache zu schulen. Neue zweisprachige Ortsschilder wurden aufgestellt. Im Telefonbuch rutschte Kåfjord ein paar Buchstaben nach vorne, da es zuerst Gaivuotna heisst. In der Gemeinde wurde ein saamenpolitischer Ausschuss gebildet, der sich um die Umsetzung des Gesetzes kümmern sollte. Gleichzeitig beschloss die Gemeinde, eine Stelle als Sprachbeauftragter zu schaffen. Saamisch-Unterricht in der Schule wurde ausgebaut und 1994 bedeutend verbessert.

    Die Sprachbeauftragten riefen ein so genanntes Sprachzentrum ins Leben. Ihr Unterricht sollte sich der Sprache praktisch nähern und sich an lokalen Verhältnisse ausrichten. Die Sprache sollte Spass machen und ihre Beherrschung ein Privileg darstellen. Im August 1994 standen für die kommenden Monate unter anderem folgende Aktivitäten auf dem Plan: Lavvo-Tour im September (lavvo ist das traditionelle Zelt), Schafscheren, Gerben, Spinnen und Färben im Oktober, Schafschlachten im November, saamischer Gottesdienst mit Übersetzung im Dezember, Kochen mit Fisch im Januar, Arbeit im Ziegenstall und auf der Alm im Februar, Fischen im März, Lavvotour, traditionelle Kleidung und Ski fahren im April, Arbeit im Kuhstall und Melken im Mai, Heuen mit Pferden, Pflügen und Kartoffeln setzen im Juni (Hovland 1996:65-66).

    Mehrheit in der Bevölkerung gegen das Sprachgesetz

    Das Sprachgesetz war von Anfang an umstritten. Wie sich herausstellte, war die Mehrheit gegen das Gesetz. Es teilte die Bevölkerung in zwei Lager. Die eine Seite begrüsste es, dass die Gemeinde nun die "historische Chance" hatte, "der nachfolgenden Generation ein positiveres Bild über saamische Kultur zu vermitteln" (in Hovland 1996:58). Die andere Seite sprach von "erneuter Norwegisierung": Wieder werde der Bevölkerung eine Sprache aufgezwungen, dazu noch eine Sprache, für die man keine Verwendung hätte. Auch Saamen sagten, niemanden solle eine Sprache aufgezwungen werden, da dies mehr schade als nutze. Der Einbezug Kåfjords in das Verwaltungsgebiet für saamische Sprache sei gegen den Willen der Bevölkerung geschehen (in Hovland 1996:59-60, 84).

    Arild Hovland behandelt den Widerstand gegen die Einführung zweisprachiger Ortsschilder besonders ausführlich. Der Widerstand gegen mehr Saamisch in der Schule hielt sich seiner Darstellung zufolge in Grenzen. Saamisch war zu der Zeit nur ein Wahlfach. Die Bedeutung des Saamischen änderte sich mit der Einführung des saamischen Lehrplans 1997 - entsprechend grösser wurden die Proteste. Zuerst werde ich auf die Ortsschilder eingehen.

    Übermalte und zerschossene saamische Ortsschilder

    Jeder würde protestieren, würde man den Namen seines Wohnortes ändern. Man hat sich an den Namen gewöhnt. Er steht für etwas: Saamische Ortsnamen widerspiegeln Naturgegebenheiten und die menschliche Nutzung der Natur. Und was am wichtigsten ist: Ein saamischer Ortsname symbolisiert eine saamische Vergangenheit. Doch nur wenige dieser Namen sind in Kåfjord noch in Gebrauch. Fast nur noch alte Leute kennen sie. Sie geben sie nicht mehr weiter, da junge Leute nichts mehr mit ihnen verbinden. Saamische Namen waren während des Prozesses der Norwegisierung durch norwegische ersetzt worden oder werden norwegisch ausgesprochen oder norwegisiert geschrieben (Hovland 1996:69-70).

    Aufgrund des Symbolgehaltes waren in vielen "norwegisierten" Gegenden in der Saamenbewegung aktive Leute damit beschäftigt, nach Hinweisen auf frühere saamische Ortsnamen zu suchen. Mit diesen Namen sind viele Emotionen verbunden, weshalb die Saamenvereinigung Kåfjord, als sie 1977 unter Mitgliederschwund zu leiden hatte, das Suchen nach saamischen Ortsnamen zum Thema machte. Ihre Strategie ging auf: Die Beschäftigung mit Ortsnamen war für viele der Einstieg in die ethnopolitische Arbeit (Hovland 1996:70-71). Das Ortsnamengesetz von 1990 ermunterte nun erstmals offiziell dazu, saamische oder finnische Namen zu benutzen. 1994 stellte die Gemeinde Kåfjord die ersten zweisprachigen Schilder auf und beschloss, den Postort Samuelsberg durch den saamisch-norwegischen Namen Olmmaivaggi / Manndalen zu ersetzen.

    Die Reaktionen blieben nicht aus. Kurz nach der Aufstellung wurden die Schilder übermalt, entfernt oder gar zerschossen. Auch verstärkte Schilder verschwanden 1997 innerhalb von 14 Tagen. Das selbe Schicksal ereilte dem Schild, das im Herbst 1998 aufgestellt wurde (Nordlys, 25.1.99).

    In Samuelsberg startete die damals 77jährige Agnes Eriksen eine Unterschriftenaktion gegen den saamischen Namen. Daraufhin sandte die Gemeinde an jeden Haushalt einen Fragebogen. Das Resultat: 270 Stimmen waren für den norwegischen, 246 für den norwegisch-saamischen Namen.

    Bürgermeister Åge Pedersen war erregt. Zur Zeitung Nordlys sagte er

      Die Gegner des neuen Namens treten ihre eigene Kultur mit Füssen. Es ist erschreckend, dass der Norwegisierungsprozess so weit gekommen ist, dass diese Menschen nicht ihren Stolz auf ihre Vorfahren und auf ihre Sprache zu zeigen trauen
    (in Nordlys, 13. 3. 95)


    Darauf erwidert Agnes Eriksen im selben Bericht:

      Unsinn, das hat damit nichts zu tun. Wir wollen nur den Namen Samuelsberg behalten, sonst nichts. (...) Über 50 Prozent der Bevölkerung wollen den Namen Samuelsberg behalten. Darauf müssen die Politiker Rücksicht nehmen
    (in Nordlys, 13.3.95).


    Auf beiden Seiten sind Emotionen im Spiel. Die Ablehnung der saamischen Namen wird von den Befürwortern als eine Ablehnung der saamischen Vergangenheit der Gemeinde gedeutet. Schliesslich sei Olmmaivaggi der älteste Name des Dorfes (Hovland 1996:72-73). Arild Hovland meint, manche würden die saamischen Namen aus purer Nostalgie ablehnen, andere aufgrund von Gefühlen, die mit ihrer Selbstidentifikation zusammenhingen. Wer den Namen verändere, definiere auch die Bewohner neu. Viele Leute, besonders an der Küste, würden nicht zugeben wollen, dass sie saamische Vorfahren haben, weil Saamen lange Zeit diskriminiert worden seien. Sie würden ihre Vergangenheit verleugnen (Hovland 1999:176).

    "Wir sind nicht gefragt worden"

    Die Gegner sahen das anders. Ihnen ging es in ihrer Argumentation um fehlende Mitbestimmung - ein Aspekt, der im Zitat der Unterschrifttensammlerin Agnes Eriksen deutlich wird. Dies unterstrich auch ein anderer Einheimischer im Gespräch mit Nordlys. Agnar Johansen, 62 Jahre alt, betonte, dass Kåfjord nur auf Wunsch der Politiker unter das Sprachgesetz gekommen sei:

      Die Leute sind nicht gefragt worden. Und wenn sie jetzt anfangen, das Alte wieder auszugraben und dem Postort einen neuen Namen geben wollen, dann geht es zu weit
    (in Nordlys, 13.3.95).


    Die Gegner verwiesen auf eine Tradition des Protestes gegen "die da oben". Es sei Tradition in Kåfjord, sich gegen "die Macht im Rathaus" aufzulehnen. "Wir sind nicht gefragt worden" ist eine der häufigsten Äusserungen in der Debatte in den Medien. Hovland schreibt, dass die Einwohner alte Zeitungsausschnitte mit Überschriften wie "Bürgerkrieg in Lyngen. Steuereintreiber sorgt für Unruhe in der Bevölkerung" aus dem Jahr 1923 mit einem Lächeln hervorholen. Auf einem Treffen der konservativen christlichen Volkspartei (KrF) sagte der örtliche Vorsitzende:

      Wir sehen mit Unruhe und Wehmut auf den Namensstreit in Manndalen. Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass diese Form von Zwang und Diktatur in dieser Gemeinde zu nichts geführt hat (zählt Beispiele auf). Das zeigte, dass die Einwohner viel gemeinsam haben und dass sie ein zusammengeschweisstes Volk sind
    (in Hovland 1996:73).
    Hovland sieht zwei Arten von Verfremdung in diesem Prozess. Ein politischer Sieg der einen Seite löste einen Verfremdungsprozess bei der anderen Seite aus. Die Befürworter erlebten, dass ihre persönliche Identifikation, die saamische, abgewiesen wurde. Die Gegner merkten, dass sie Anhaltspunkte für ihr Alltagsleben verloren. Bekannte Orte bekamen neue befremdliche Namen. Was für den einen eine Quelle zur Selbstbestätigung war, ist für den anderen eine Quelle zum Verlust seines Selbst (Hovland 1996:74).

    Diese Probleme hängen laut Hovland auch mit der administrativen Einheit und der Geschichte der Gemeinde zusammen. Dieses Gebiet decke sich nicht mit den persönlichen Loyalitäts- und Zusammengehörigkeitsgefühlen der Bevölkerung. Kåfjord sei nicht ein Ort, sondern viele, von denen jeder seine Eigenart habe. Diese Lokalisierung, diese Verbundenheit mit einem Ort sei für die Leute wichtig (Hovland 1996:76). Und auch innerhalb eines Ortes gebe es aufgrund der Vergangenheit Variation. Manndalen sei saamisch für manche, multikulturell für andere und norwegisch für noch andere (Hovland 1999:182).

    Die Einführung des saamischen Lehrplans

    Im Schuljahr 1997/98 wurde der saamische Lehrplan (samisk læreplan) eingeführt. Er gilt wie das Sprachgesetz in den Gemeinden des saamischen Verwaltungsgebietes. Von nun an können Schülerinnen und Schüler aus fünf Sprachangeboten wählen:

    • Saamisch als erste Sprache und eine norwegische Sprache als zweite Sprache


    • Saamisch als zweite Sprache und eine norwegische Sprache als erste Sprache


    • Saamische Sprache und Kultur und beide norwegische Sprachen als Hauptsprache


    • Norwegisch als erste und Finnisch als zweite Sprache


    • nur beide norwegische Sprachen


    • Der Lehrplan, so betont eine Informationsschrift des Kirchen- und Unterrichtsministeriums, "nimmt Ausgangspunkt in der Eigenart und in den Bedürfnissen der saamischen Gesellschaft" und soll eine "positive Identitätsentwicklung" und Zweisprachigkeit der Kinder sichern. Immer wieder wird betont, dass der Lehrplan sowohl "Träger der saamischen wie auch norwegischen und internationalen Wissenskultur" sei. Die saamische Schule sei Teil einer multikulturellen Gesellschaft und solle für die Gleichstellung von Schülern mit unterschiedlichem Hintergrund sorgen (laut www.sor.no/planer/prinsipper1.doc - nicht mehr online).

      Auch diese pro-saamische Massnahme spaltete die Bevölkerung. Wie Arild Hovland schreibt, drehte sich der Konflikt um das Verhältnis zwischen Wissen und Identität. Saamische Kinder sollten ein positives Verhältnis zur Identität als Saame gewinnen. Auch den Anderen würde Wissen über die Saamen nicht schaden (Hovland 1999:166). Eine Befürworterin ist Lisbet Robertsen. Sie schreibt in einem Leserbrief über Saamisch-Unterricht in Kindergärten in Kåfjord:

        Kåfjord sollte stolz darauf sein, dass die Kinder eine andere Kultur und eine andere Sprache erlernen dürfen. In welch glücklicher Lage sind die Kinder, die das in jungem Alter lernen dürfen, so dass sie im Schulalter zweisprachig sein können. Es ist nicht lange her, dass die Saamen in die Schule kamen und die Lehrbücher nur auf Norwegisch waren, während sie kein Wort norwegisch konnten. (...) Ich meine, Saamisch soll in der Schule obligatorisch sein. Die Saamen sind ja auch Norweger - wie wir. Wir lernen Englisch in der Primarschule, Deutsch in der weiterführenden Schule, also warum nicht auch Saamisch, damit wir miteinander reden können
      (in Nordlys 13.2.1999).


      Eltern organisieren Schulstreik

      Die Gegner protestierten, sie sagten, ihre Kinder sollen keine Saamen werden. In Kåfjord z.B. wollen viele Eltern, dass die Schüler dem norwegischen Lehrplan folgen. Ebenso in Tana, wo Eltern aktionierten mit Plakaten wie "Wir sind norwegische Staatsbürger. Norwegisch ist unsere Muttersprache" und ihre Kinder einige Tage von der Schule fern hielten. Eltern von etwa 80 Kindern schrieben einen Protestbrief an die Gemeinde Tana. Sie gründeten die Aktion "Nei til Sameland" (Nein zum Saamen-Land) (Nordlys 29.8.97). Es gibt verschiedene Gründe für die Ablehnung. Tone Orvik, eine der aktiven Mütter betont, dass die Eltern nicht dagegen seien, dass saamische Kinder Unterricht nach dem saamischen Lehrplan bekommen:

        Es ist ein Menschenrecht sowohl für Saamen wie für Norweger, dass sie bestimmen können, was für einen Unterricht die eigenen Kinder in der öffentlichen Schule bekommen. Die es wollen, sollen dem saamischen Lehrplan folgen. Die es nicht wollen, sollten dem norwegischen Lehrplan folgen können
      (in Nordlys 29.8.97).


      Eine andere Mutter kritisiert den Inhalt des saamischen Lehrplans. Er sei zu sehr traditionsbasiert, er orientiere sich nicht an der modernen Gesellschaft und verschlechtere somit die Berufschancen der Kinder:

        Die Schüler müssen sehr einfache Handwerkzeuge benutzen anstatt moderne Maschinen und Geräte. Mein Sohn wird vielleicht Handwerker und da braucht er einen Unterricht, der der Zeit, in der wir leben, angepasst ist
      (in Nordlys 29.8.97).


      Einige Eltern bemängeln, sie seien von den Behörden nicht einbezogen worden. Der Elternbeirat der Olderdalen-Schule in Kåfjord schreibt in einem Leserbrief:

        Alle Eltern fühlen sich übergangen (overkjørt) vom Departement. Wir haben uns zu keinem Zeitpunkt aussprechen können - weder über den saamischen Lehrplan noch über dessen Einführung. Wir stellen fest, dass Staatsrat Sandal von verschiedenen Seiten Rat eingeholt hat. Es ist merkwürdig, dass er keinen Rat von uns eingeholt hat, für die der Lehrplan gelten soll. Dass er auf die Meinung des Saamenparlaments Wert gelegt hat, finden wir noch merkwürdiger. Das Saamenparlament ist kein demokratisches Organ für uns. Nur eine Minderheit der Stimmberechtigten stimmen in Kåfjord bei der Saamenparlaments- Wahl
      (in Nordlys 22.9.97).


      Sie beenden den Brief mit folgender Bemerkung:

        Das Departement darf in seinem Eifer, die Übergriffe gegen den saamischen Teil der Bevölkerung wieder gut zu machen, nicht einen neuen Übergriff gegen den norwegischen Teil der Bevölkerung machen
      (in Nordlys 22.9.97).


      Nicht nur Norweger dagegen

      Saamen gegen Norwegen? Ist das so? Arild Hovland schreibt, auf den ersten Blick sehe es tatsächlich danach aus. So klar seien die Frontlinien aber nicht. Einige der Eltern, die sich für den norwegischen Lehrplan stark machen, hätten einen saamischen Hintergrund - oder einen gemischten. Tana, so Hovland, sei ein ethnisches Grenzgebiet. Teile der Gemeinde können als saamisch, andere als norwegisch bezeichnet werden. Die ethnischen Grenzen gingen mitten durch Familien. In Tana wohnten auch einige Kvenen. Es gebe viele Mischlinge (Hovland 1999:166).

      Einer dieser Mischlinge, die gegen den saamischen Lehrplan protestierte, sagte gegenüber der Zeitung Nordlys, am meisten belaste sie die Betonung des Saamischen. Ihre Mutter sei Saamin, ihr Vater Finne und ihr Mann Norweger. Ihre Aussage verdeutlicht den Status des Norwegischen als quasi neutrale Verkehrssprache in einer gemischt zusammen gesetzten Bevölkerung. Das Saamische dagegen wird aufgefasst, als nehme es Partei für eine Seite:

        Ich fühle mich in zwei gespalten - so wie noch nie. Wir, die wir im unteren Tana aufwuchsen, lernten norwegisch, und auf diese Weise konnten sowohl Saamen, Norweger und Finnen miteinander reden. (...) Jetzt werde ich beschuldigt, meine saamische Herkunft zu verleugnen, wenn ich nicht meinen Sohn zwinge, Saamisch zu lernen. Unterstütze ich die saamischen Aktivisten, verleugne ich meinen Vater und das, was schon immer meine Identität war
      (Nordlys 29.8.1997).


      Einige Monate später schlugen Asbjørg Skåden vom NSR und die momentane Präsidentin des Saamenparlamentes, Ragnhild Nystad, vor, der saamische Lehrplan solle für ganz Nordnorwegen gelten. Er repräsentiere besser nordnorwegische Wirklichkeit, so Skåden:

        In dem saamischen Lehrplan ist die nordnorwegische Geschichte besser als in dem üblichen Lehrplan untergebracht. Der saamische Lehrplan richtet sich viel mehr danach, was in Nordskandinavien (Nordkalotten) passiert ist
      (Nordlys 2.9.1999).


      Skåden meint, man solle Bescheid wissen über andere Kulturen und versteht nicht, dass sich der Unterricht nur an einer Kultur ausrichten soll:

        Ich selber mag die norwegische Sprache und die norwegische Geschichte, aber das bedeutet nicht, dass wir etwas anderes auslassen. Es ist etwas grundsätzlich Verkehrtes, wenn es etwas Selbstverständliches ist, dass ich deine Geschichte gelernt habe, du aber nicht meine. (...) Es ist nicht ungewöhnlich, dass Länder mehrere Sprachen und Kulturen haben, mit denen man sich auseinander zu setzen hat
      (in Nordlys 2.9.99).


      Kurz bevor Skåden ihren Vorschlag vorbrachte, sind in Tana zu Beginn des Schuljahres 1999/2000 zwei private Montessori-Schulen errichtet worden - um so dem Saamischen Lehrplan zu entgehen. Die Folgen für die Gemeinde Tana sind nach den Worten der Unterrichts- Verantwortlichen Kirstin Biti-Johansen "dramatisch". Der staatliche Zuschuss würde aufgrund geringer Schülerzahl für das Schuljahr um eine Million norwegischer Kronen (200'000 CHF) reduziert. Vier Lehrerstellen seien gestrichen worden (Klassekampen 3.6.99).